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Was das Baby jetzt schon kann Bis jetzt war Ihr Baby hauptsächlich damit beschäftigt, sich in seinem kleinen Körper einzurichten, sich an das Leben "draußen" zu gewöhnen – in der sicheren Nähe von Mutter und Vater. Jetzt fängt es an, sich die Welt rundum genauer anzusehen. Auf seine Unterarme gestützt, kann es seinen Kopf schon eine ganze Weile hochhalten und schaut interessiert um sich. Wenn Sie Ihr Baby jetzt auf dem Schoß halten, stemmt es sich vielleicht mit aller Kraft von Ihnen weg – hin zu den Dingen, die seine Neugier geweckt haben. Mit dem größeren Abstand von Ihnen sieht es auch Sie, die Mutter oder den Vater, mit ganz neuen Augen. Es betrachtet vielleicht aufmerksam Ihr Gesicht, erkundet eingehend Ihren Körper, untersucht Ihre Kleidung. Sein Blickwinkel hat sich erheblich erweitert. Und noch etwas entdeckt Ihr Baby jetzt: Es kann zunehmend "mitbestimmen". Es wird vielleicht lauthals protestieren, wenn Sie das Zimmer verlassen wollen. Und wenn es Erfolg hat: was für ein Triumph! Ihr Baby hat das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können. Die Sicherheit, die ein Baby in der Beziehung zu seinen Eltern gewonnen hat, macht ihm Mut, sich ein Stückchen zu lösen aus der engen körperlichen Bindung zu seiner Mutter, seinem Vater. Manche Babys schweben jetzt gern im Tragesitz, auf Tuchfühlung mit Vater oder Mutter, aber mit dem Gesicht zur Welt. Mit "Rückendeckung" noch, aber die Hände frei zum Ausstrecken nach allem, was erreichbar und so unwahrscheinlich interessant ist. Sie können Ihrem Kind jetzt keine größere Freude machen, als es an Ihren Beschäftigungen teilhaben zu lassen: Mit großen Augen wird es versuchen, den Sinn all dieser merkwürdigen Unternehmungen zu erfassen. Von der Wippe auf dem Küchenfußboden aus kann es Ihnen prima zusehen. Auch mit dem Tragetuch lassen sich manche Hausarbeiten erledigen, ohne dass Sie Ihr Baby ins Bettchen verbannen müssen, wo es nicht halb so aufregend ist wie an Ihrer Seite. Spielend die Welt erkunden Immer wieder aufregend zum Anschauen, Anfassen und Anhören sind ein paar verschiedenfarbige Dinge (nicht zu klein und nicht zu viele), die in Greifhöhe über Babys Spielplatz hängen. Auch mit einem Seidentuch beschäftigt sich das Baby gern. Babys Ausdauer scheint grenzenlos. Immer wieder versucht es einen Gegenstand zu ergreifen, beständig übt es, was es gerade gelernt hat. Dazu braucht es Bewegungsspielraum. Am besten aufgehoben ist es auf dem Boden – wenn es sich dabei auch mal von der Stelle bewegt, kann ihm nichts passieren. Widerstehen Sie der Versuchung, Ihr Baby jetzt schon hinzusetzen, auch wenn sie es noch so gut abstützen und ihm das scheinbar gefällt! Sie nehmen ihm den Anreiz, sich selbst zu bewegen. Ihr Babys scheint keine Abwechslung zu brauchen. Uns Erwachsenen wird leider schneller langweilig. Laden Sie doch einfach mal die freundliche Mutter, die Sie öfter im Park treffen, mit ihrem Baby ein. Gemeinsam kommt man oft besser "über die Runden". Anregungen für Spiel und Beschäftigung mit dem Baby bekommt man auch in Eltern-Kind-Gruppen oder Elterntreffs. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Jugendamt oder in Ihrer Kirchengemeinde. Ihr Baby sucht jetzt nicht mehr ausschließlich Geborgenheit bei Ihnen, es braucht Sie nun auch in anderer Weise: als Brücke zur Welt. Vielleicht genießen Sie seine größere Aktivität, weil es damit zugleich auch ein Stück unabhängiger von Ihnen wird. Manchmal ist diese Zeit aber auch recht anstrengend. Vor allem das Füttern oder Stillen kann zu einer längeren Prozedur werden. Da kommt vielleicht gerade der Papa ins Zimmer, oder der Blick Ihres Babys wandert auf seine Füße, das tanzende Mobile an der Decke oder den roten Ball am Boden – und schon ist es nicht mehr "bei der Sache" und wendet den Kopf ab. Vielleicht hören Sie von Ihrem Baby jetzt auch ganz neue Töne. So wie Christine. Wenn ihre kleine Tochter Jessica jetzt schreit, klingt das nicht mehr kläglich, sondern durchdringend und fordernd. Bei den Koliken der ersten drei Monate tat Jessica ihr ja noch Leid. Aber jetzt? Hunger ist es nicht, denn kaum hat Jessica ein paar Züge an Christines Brust gesaugt, lässt sie auch schon wieder los. Dreht den Kopf weg, schreit weiter. Ja, was will sie denn nun eigentlich? Fängt sie etwa an, ihre Mutter zu tyrannisieren? Einmal, als Jessica zum zehnten Mal den Schnuller wegstößt, den sie ihr tröstend reichen will, macht Christine sich Luft: Artig kann ein Kind doch nur dann sein, wenn es sich bewusst so verhält, wie es die Eltern von ihm erwarten. Unartig wäre dementsprechend, wenn es absichtlich das Gegenteil täte. Nichts davon trifft auf Babys zu. Sie beginnen jetzt einfach nur, ihren Horizont gewaltig zu erweitern. Sie sammeln eine Fülle von Eindrücken, die alle eingeordnet und verarbeitet werden müssen. Deshalb sind Babys auch so leicht ablenkbar: vom Essen, von den kleinen Spielchen mit der Mutter oder dem Vater. Mit "Artig- und Unartigkeit" oder gar mit böser Absicht hat das nicht das Geringste zu tun. Zweifellos gibt es Unterschiede: Manche Babys begnügen sich mit dem, was in ihrem Blickfeld oder ihrer Greifnähe ist. Kinder, die lebhafter sind, werden leicht als die unbequemeren erlebt. Sie fordern mehr Kontakt, mehr Abwechslung, machen ihren Eltern für den Augenblick mehr Arbeit, weil man sie weniger leicht übersehen, vor allem überhören kann. So seufzt vielleicht die eine Mutter, dass ihre Tochter sich jetzt kaum noch auf dem Arm halten lässt, den ganzen Körper in alle Richtungen reckt und überhaupt den Eindruck macht, als ob sie ständig etwas will, was sie noch gar nicht kann. Dagegen wundert sich ein Vater etwas besorgt über seinen Sohn: "Der Junge liegt einfach nur da und ist zufrieden, wenn er seine Hände und Füße und alles um sich herum betrachten kann. Müsste er nicht schon weiter sein?" Schauen Sie doch mal genauer hin: Wenn Ihr Baby seine Hände bewegt, sie hin und her dreht, unermüdlich versucht, sie über dem Bauch zusammenzubringen – und wenn das schließlich gelingt –, dann hat es vielleicht gerade eine große Entdeckung gemacht: Das sind ja meine Hände! Ich bin es ja, der sie bewegt! Keine Frage von "weiter" oder "zurück", lediglich zwei unterschiedliche Temperamente, zwei verschiedene Möglichkeiten, wie Kinder auf ihre Umwelt reagieren. Und außerdem: Auch ein lebhaftes Baby legt in seiner Entwicklung Ruhepausen ein, genau wie ein ruhiges Kind Zeiten haben wird, in denen es seine Eltern ganz schön in Trab hält. Während Sie unsere ersten Elternbriefe gelesen haben, waren Sie vielleicht oft traurig und enttäuscht – weil bei Ihnen vieles ganz anders ist als von uns beschrieben. Ihr Kind ist in seiner Entwicklung verzögert oder hat eine Behinderung, von der Sie im Moment vielleicht noch nicht einmal genau wissen, welche. Sie mögen jetzt gerade schwanken zwischen Verzweiflung, Hoffen und – Neid auf Eltern mit einem gesunden Kind. Wir haben mit Eltern behinderter Kinder gesprochen, die das auch so erlebt haben. Viola und Dieter zum Beispiel waren Anfang zwanzig, als ihr Baby sich ankündigte. Viola freute sich sehr. Und wenn sie gefragt wurde, was es denn werden sollte, dann lachte sie: "Hauptsache, gesund!" Was man eben so sagt. Christian wurde unter ungünstigen Bedingungen nach dramatischen Stunden entbunden. Es gab einige schwerwiegende Komplikationen, u.a. wurde auch von Sauerstoffmangel gesprochen. Für Viola und Dieter war zunächst nur wichtig, dass ihr Baby endlich da war. Für sie war Christian ein ganz normales Baby – und dazu das hübscheste auf der Welt! Als alles überstanden schien, kurz vor der Entlassung aus dem Krankenhaus, teilte man ihnen überraschend mit, Christian müsse noch dort bleiben. Wegen einer Hornhauttrübung auf dem linken Auge. Eine Routineoperation, nichts Ernstes ... Nach einer Woche durften sie ihren Sohn dann endlich nach Hause holen. Sie hatten die üblichen Anfangsschwierigkeiten wie alle jungen Eltern, waren aber guten Mutes. Schließlich erfuhren sie, dass Christian bei seiner Geburt doch eine schwere Hirnschädigung davongetragen hatte. In langen Gesprächen mit der Ärztin machten sie sich Schritt für Schritt klar, was das bedeutete: Ihr Kind würde niemals richtig sehen, sprechen und laufen lernen. Es dauerte lange Zeit, bis beide ihr Leben mit Christian so annehmen konnten, wie es nun einmal war. "Anfangs war es zum Beispiel schwierig, auszuhalten, dass er sich überhaupt nicht trösten ließ – so sehr wir uns auch bemühten. Mit der Zeit lernten wir unser Kind verstehen – wie andere Eltern auch, nur dauerte es bei uns viel länger und war unendlich viel anstrengender!" Als Christian ein Jahr alt wurde, haben sich Viola und Dieter zusammengesetzt und Verwandten, Freunden und Nachbarn eine Karte geschrieben – sozusagen eine verspätete Geburtsanzeige. Dazu waren sie nach seiner Geburt viel zu verstört, dann zu verzweifelt und traurig gewesen. Es war das erste Mal, dass sie auch die Behinderung ihres Sohnes ansprechen und wieder auf andere Menschen zugehen konnten. Viele – nicht alle – haben sehr ermutigend reagiert. Jetzt, mit vier Jahren, hat Christian schon eine Menge dazugelernt. Er kann fast ohne Hilfe essen – und sehr schön spielen! Und vor allem: Christian hat eine sehr direkte Art, seine Zuneigung zu zeigen. Seine Sympathiebekundungen sind ganz unmittelbar. Leute, die ihm gefallen, zieht er zu sich heran und schmust lange mit ihnen. Wen er nicht mag, den stößt er weg. Damit muss man erst umgehen lernen, "... aber isolieren wollen wir uns auf keinen Fall. Wir möchten so normal wie möglich leben." "Normal anders", wie Dieter immer sagt. Nicht selten berichten Eltern behinderter Kinder, dass erst ihr Kind sie gelehrt habe, Vertrauen in seine Kräfte zu entwickeln. Für Sie ist jetzt die Ungewissheit vielleicht das Schlimmste. Suchen Sie sich gute ärztliche und therapeutische Hilfe und Unterstützung: Bei Ihrem Arzt, einer nahe gelegenen Risikoberatungsstelle oder einem Früherkennungszentrum. Gespräche mit Therapeuten und anderen Fachleuten sind wichtig, um Ihr Kind optimal behandeln und fördern zu können, ohne es mit übertriebenen therapeutischen Programmen zu überfordern. Überlegen Sie gemeinsam, wie sich die Behandlung Ihres Kindes in den Tagesablauf der Familie einpassen lässt. Was für alle Eltern hilfreich ist, gilt ganz besonders für Eltern eines behinderten Kindes: Suchen Sie Kontakt zu anderen Eltern, tauschen Sie Erfahrungen aus, unterstützen Sie sich gegenseitig. Vielleicht vermittelt Ihnen Ihr Kinderarzt, die Risikoberatungsstelle, Ihr Jugendamt oder Ihr Pfarramt Adressen anderer Betroffener. Auch über eine Annonce können Sie Eltern kennen lernen. Auch Schlafen will gelernt sein Ihr Baby hat schon manches gelernt – das eine (zu Ihrem Leidwesen!) wahrscheinlich noch nicht: durchzuschlafen. Erst am Ende des ersten Lebensjahres passt sich sein Schlafrhythmus allmählich dem von Erwachsenen an. Vor dem sechsten Lebensmonat können Babys kaum durchschlafen. Ihre Schlafzyklen sind sehr kurz: stündlich kommt ein schlafendes Baby immer wieder an die Grenze zum Aufwachen. Denn in und nach jeder Traumphase ist das Gehirn eines Säuglings sehr wach, sein Körper in Bewegung. Oft hält der Schlaf so viel Unruhe nicht aus – das Baby wacht auf. Auch wir Erwachsenen sind öfter (fast) wach, allerdings in größeren Abständen und meist, ohne uns dessen bewusst zu werden. Wir haben gelernt, wieder einzuschlafen. Wenn Sie nicht zu den wenigen glücklichen Eltern gehören, deren Baby sich ganz von allein wieder beruhigt und zum Schlafen bringen kann, brauchen Sie Geduld. Auch wenn es manchmal schwer fällt. Ein Baby nachts einfach schreien zu lassen, ist eine Radikalkur, die weder Eltern (sie wollen ja schließlich schlafen!) noch Kind nützt (es möchte auch weiterschlafen!). Es mag stimmen: Jedes schreiende Baby gibt irgendwann erschöpft auf und lernt früher oder später, dass nachts keine Aussicht auf Hilfe besteht. Ein fragwürdiger "Erfolg", der Eltern und Kind eine Menge Vertrauen kostet. Geben Sie Ihrem Baby lieber Ihre Hilfe zur Selbsthilfe: Bauen Sie ihm Brücken auf seinem Weg zur Selbstständigkeit. Am Tage zeigt es ja schon erste Ansätze, die Sie unterstützen können. Sie kennen es sicher: Nach dem Aufwachen und vor dem großen Gebrüll kommt erst ein "Knörzen" oder "Knuttern" aus der Babyecke, was so viel heißt wie: "Bist du hier? Ich bin’s, ist außer mir noch jemand da?" Sie müssen jetzt nicht auf der Stelle zu Ihrem Kind stürzen und es aufnehmen. Schon Ihre beruhigende Stimme genügt ihm, um zu wissen: "Ich bin nicht allein". Wenn dieser "Draht" zu Ihrem Kind Sie beide auch nachts verbindet, dann sind Sie Ihrem verdienten Nachtschlaf schon ein gutes Stück näher gekommen. Ihr Baby muss dann "nur" noch lernen, sich selbst – ohne Ihren Zuspruch – wieder zu beruhigen. Ein Mittler zu Mutter oder Vater – ein Schmusetuch, eine weiche Puppe, aber auch der Schnuller oder der eigene Daumen – kann ihm Geborgenheit geben und ihm helfen, sich selbst zu trösten. Ein solcher Tröster – vertraut und geliebt – muss schon eine Zeit lang mit in Babys Bettchen liegen, ehe er seine Aufgabe erfüllen kann. Manche Babys entdecken ihn übrigens ganz von allein: den Daumen zum Beispiel. Lassen Sie das Daumenlutschen zu – Ihr Baby ist auf dem besten Wege, auch nachts ein Stückchen selbstständiger zu werden. Vielleicht runzeln Sie jetzt die Stirn: Selbstständigkeit, Selbsthilfe ... wozu? Ihr Baby schläft bei Ihnen im Bett, Sie sind immer zur Stelle, und allen Beteiligten geht es gut damit. Dann genießen Sie es! Sieht es aber bei Ihnen vielleicht so aus: Baby macht es sich im Elternbett gemütlich – und Papa klemmt sich im Wohnzimmer auf’s Sofa? Oder: Baby breitet sich quer zwischen seinen Eltern aus – die sich mühsam an der Bettkante strecken? Eine gute Lösung ist das auf Dauer sicher nicht – auch nicht für’s Baby. Manche Eltern wollen ihr Bett jetzt auch mal wieder für sich allein haben! Aber auch einem kleinen Kind kann die Nähe zu seinen Eltern zu viel werden. Denn Mamas oder Papas Kuscheltier ist Baby nicht! Sie können ruhig anfangen, Ihr Baby allein schlafen zu lassen – im Kinderbett neben sich oder im Zimmer nebenan. Keine Sorge: Wenn es Sie braucht, wird es sich bemerkbar machen. Kann man ein Baby nachts allein lassen? Endlich einmal wieder ausgehen! Das Baby ist doch seit Wochen nie mehr vor Mitternacht aufgewacht! Kann man es da nicht einmal für zwei Stunden allein lassen? Sicher ist Ihnen der Gedanke schon durch den Kopf gegangen. Sie sollten ihn aber sofort wieder vergessen. Babys kann man nicht allein lassen. Von einer Stunde zur anderen kann sich eine Krankheit ankündigen – unter Umständen mit hohem Fieber oder anderen beunruhigenden Symptomen. Können Sie sich vorstellen, was in einem Säugling vorgeht, wenn seine Notsignale über längere Zeit unbeachtet bleiben? Auch daran müssen Sie denken: Jeden Tag bricht irgendwo ein Feuer aus. Das gehört zur Alltagserfahrung der Feuerwehr. Meistens können sich die Menschen rechtzeitig in Sicherheit bringen – bis auf die allein gelassenen Kinder. Zu Hause versauern sollte aber deshalb niemand. Eltern brauchen hin und wieder einen babyfreien Abend, sonst fällt ihnen die Decke auf den Kopf. Beugen Sie dem unzufriedenen Allein-Zuhause-Hocken vor! Wenn Sie Freunde mit Kindern haben, wechseln Sie sich beim Babysitten ab. Auch bei kinderlosen Freunden könnten Sie anfragen, ob sie nicht einen Abend bei Ihrem Kind verbringen würden. Vielleicht gibt es in Ihrer Nachbarschaft auch einen netten Schüler oder eine freundliche Schülerin, die sich gern durch Babysitten ein Taschengeld verdienen. 14 Jahre alt sollte er oder sie aber schon sein. Zur beiderseitigen Beruhigung: Telefonnummer hinterlassen, unter der Sie zu erreichen sind. Ein Schal oder Tuch, das nach Ihnen riecht, sorgt im Notfall für Trost, bis Sie wieder da sind. Wer auch immer Ihr Kind während Ihrer Abwesenheit betreut: Geben Sie Ihrem Baby Zeit, sich mit dem neuen Gesicht vertraut zu machen. Und dem Babysitter, Ihr Kind in Ihrer Gegenwart kennen zu lernen. Die nächtliche Begegnung sollte auf keinen Fall die erste sein! Und schließlich: Laden Sie sich wieder einmal Gäste ein, und bitten Sie darum, dass jeder eine Kleinigkeit zum gemeinsamen Imbiss beisteuert. Das macht Spaß und entlastet Sie. Im Alter von vier bis fünf Monaten ist der "Nest-oder Immunschutz" Ihres Kindes aufgebraucht. Es wird jetzt anfälliger für Infektionskrankheiten. Das ist ganz normal. Infekte gehören zur Entwicklung und stärken die Abwehrkräfte Ihres Babys. Wenn Sie nicht genau wissen, was es hat, gehen Sie lieber einmal zu viel zum Kinderarzt als einmal zu wenig. Oft genügt ja auch schon ein Anruf. Es kann aber auch passieren, dass Sie unversehens damit konfrontiert werden, dass Ihr Kind ins Krankenhaus soll. Fragen Sie Ihren Arzt auf jeden Fall, ob sich der Krankenhausaufenthalt nicht doch vermeiden lässt. Bei akuter Gefahr fürs Kind gibt es darüber natürlich keine Diskussion. Scheuen Sie sich andererseits nicht, sich von einem zweiten Arzt beraten zu lassen. Ist der Krankenhausaufenthalt unumgänglich, weil z.B. ein kleiner operativer Eingriff vorgenommen werden muss, dann erkundigen Sie sich, ob Sie das Baby nach dem Eingriff zu Hause selbst pflegen können. Es gibt immer mehr Ärzte, die solche Lösungen unterstützen, denn sie wissen: Kinder – auch wenn sie noch so klein sind – werden schneller gesund, wenn sie bei ihren Eltern sind. Ist die Pflege zu Hause nicht möglich, dann ist die nächstbeste Lösung Ihre Anwesenheit im Krankenhaus. Während der vergangenen Jahre hat sich in dieser Hinsicht schon viel getan, speziell in Kinderkrankenhäusern. Erkundigen Sie sich, ob es in Ihrer Nähe eine Einrichtung gibt, wo Mutter oder Vater auch über Nacht bei ihrem Kind bleiben können. Nehmen Sie für Ihr Kind etwas Vertrautes mit, ein Kuscheltier oder sein Schmusetuch. Und vor allem: Lassen Sie sich so wenig wie möglich aus der Hand nehmen, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie können bei den Untersuchungen Ihr Kind selbst halten, es an- und ausziehen, Fieber messen und mit ihm sprechen, ihm erklären, was mit ihm gemacht wird und warum. Es muss Ihre Worte gar nicht verstehen, wichtig ist Ihre beruhigende Stimme und dass Sie da sind. Wickeln, Füttern, Baden – all das können Sie selbst tun. Ein Stück vertrauter Alltag kann Ihrem Kind viel Sicherheit geben in der sonst so fremden Umgebung – vor allem auch, wenn Sie nicht über Nacht in der Klinik bleiben dürfen oder können. In diesem Fall: Besuchen Sie Ihr Kind, wann immer Sie können – auch außerhalb der Besuchszeiten. Lassen Sie sich nicht abweisen. Wenn Sie stillen: Tun Sie’s weiter. Notfalls können Sie Ihre Milch vorübergehend abpumpen. Bei all dem kann es Widerstand geben und auch Missverständnisse mit dem Krankenhauspersonal. Es kann zum Beispiel sein, dass Ihr Kind erst einmal zu weinen anfängt, wenn Sie ins Zimmer kommen. Die Tränen Ihres Kindes sind ein Zeichen seiner großen Erleichterung. Es will damit sagen: "Gott sei Dank, dass du da bist, ich habe mich so nach dir gesehnt!" Sollte Ihr Kind schlafen, wenn Sie kommen, warten Sie, bis es aufwacht. Sonst ist es ja um Ihren Besuch betrogen. Das Gleiche gilt, wenn eine Vollnarkose notwendig ist: Bleiben Sie bei Ihrem Kind, bis es schläft, und seien Sie da, wenn es aus der Betäubung aufwacht. Wechseln Sie sich in dieser extremen Belastungssituation – wenn möglich – mit Ihrem Partner oder sonst einem nahe stehenden Menschen ab. Lassen Sie Ihr Kind bitte niemals – auch nicht für kurze Zeit – allein auf dem Wickeltisch oder einem anderen erhöhten Ort liegen. Falls Sie jetzt meinen sollten, Ihr Kind habe sich noch nie plötzlich aufgerichtet, herumgerollt oder auf andere Weise in Gefahr gebracht, unterschätzen Sie nicht Babys Forscherdrang! Es hat so vieles – beinahe alles – "noch nie" getan, einmal aber ist es garantiert soweit! Und bei diesem "ersten Mal" passieren dann die Unfälle, mit denen kein Mensch gerechnet hat. Zum Schluss möchten wir Sie noch an die Impftermine erinnern. Wenn Ihr Kind im vorigen Monat vielleicht nicht ganz gesund war und sie dadurch versäumt hat, dann denken Sie bitte jetzt an die Impfung (s. Hinweise Elternbrief 3). Copyright ELTERNBRIEFE 2001 |
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