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Gibt es Besseres als Muttermilch? Es war an einem Samstag. Oktay kehrte vom Markt zurück. Die Art, wie er die Treppe hochstieg, langsam und mit schweren Schritten, ließ mich ahnen, daß etwas vorgefallen war. Ein folgenschwerer Brief Canan muß nicht dicker werden Zigarettenqualm ”Warum soll sie nichts verstehen? Hat sie nicht auch zwei Augen und zwei Ohren”, entgegnete meine Schwiegermutter. Was will ein weinendes Kind uns mitteilen? Wie gesagt, hatte ich Canan an feste Schlafenszeiten gewöhnt. Eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen sorge ich dafür, daß es keinen Lärm und keine Unruhe mehr gibt und dämpfe das Licht. Zu meinem Leidwesen wollte meine Schwiegermutter oft ausgerechnet dann mit dem Kind spielen. Eines Abends wollte sie Canan zu Bett bringen und ging mit ihr ins Schlafzimmer. Eine halbe Stunde verstrich, eine ganze Stunde, meine Schwiegermutter kam nicht ins Wohnzimmer zurück. Schließlich gingen Oktay und ich nachsehen. Wir fanden sie auf dem Teppich ausgestreckt, sie schlief tief und fest. Canan hatte den Schrank geöffnet und ausgeräumt. Die ganze Wäsche lag im Zimmer verstreut, und das Kind war hellwach. Ich spürte, wie Wut in mir aufstieg. Am nächsten Morgen aber setzte sich meine Schwiegermutter nicht an den Frühstückstisch. Sie vermied es, mich anzusehen. Sonst ging sie vormittags mit Canan in den Park, während ich die Wohnung aufräumte. An dem Tag aber verließ sie das Haus alleine. Sie ging und kam nicht wieder. Es wurde Mittag, und sie war nicht da, es wurde Abend, sie war immer noch nicht zurück. War ich etwa Schuld daran? Ich machte mir Vorwürfe. Auch Canan war unruhig. Sie stolperte durch die ganze Wohnung und suchte ihre Oma. Meine Schwiegermutter hatte das Kind sehr an sich gewöhnt, immer auf dem Arm gehalten. Es ist nicht gut, ein Kind unablässig auf dem Arm zu tragen, weil es dann kaum die Fähigkeit entwickelt, sich selbständig zu bewegen. Wenn Canan weint, nehme ich sie auf den Arm, wenn sie aufhört, setzte ich sie wieder ab. Ich halte sie an der Hand und lasse sie laufen, so gut sie kann. Die Gesundheit steht an erster Stelle U1: (1. Vorsorgeuntersuchung) gleich nach der Geburt Die Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen beugen Krankheiten und Fehlentwicklungen vor, die Kosten dafür trägt die Krankenkasse. Es ist wichtig, das Kind regelmäßig, mindestens einmal im Jahr auch zum Zahnarzt zu bringen, damit eventuelle Schäden an den Milchzähnen frühzeitig erkannt werden. Man soll das Kind ernst nehmen Als ich am späten Nachmittag nach Hause zurückkehrte, lag der Schlüssel noch an der gleichen Stelle. Niemand war gekommen. Beim Abendessen hatte Canan wieder gute Laune. Seit kurzem sitzt sie abends gemeinsam mit uns am Eßtisch. Als ich im siebten Monat angefangen hatte, ihr zusätzlich Brei zu geben, mochte sie diesen anfangs nicht. Ich gab ihn ihr immer in kleinen Mengen und wartete bei jedem Löffel geduldig, bis sie die Portion geschluckt hatte und wieder ruhig atmete. Mit der Zeit gewöhnte sie sich an den Brei. Mit ihrem Löffel in der Hand und umgebundenem Lätzchen lernt sie selbständig essen. Mit Canan am Tisch ist das Abendessen immer ein besonderes Ereignis. Auch wenn sie sich selbst und ihre ganze Umgebung bekleckert, lassen wir sie alleine essen. Wir sorgen dafür, während des Essens nicht durch Lärm oder sonst etwas gestört zu werden. Manche Leute setzen ihr Kind vor den Fernseher und drehen den Ton extra laut. Später beschweren sie sich dann, daß das Kind ohne den Fernseher nicht essen wolle. Besonders morgens nach dem Aufwachen ist es sehr wichtig für das Kind, in einer ruhigen Atmo-sphäre zu frühstücken und so den Tag gut anzufangen. Auch ein Kleinkind weiß, was ihm schmeckt. Was es nicht mag, ißt es nicht. Manche Leute geben ihren Kindern Appetitanreger und wollen unbedingt, daß sie zunehmen. Was für ein Unsinn! Sobald Canan eineinhalb Jahre alt ist, werde ich sie daran gewöhnen, wie wir drei Mahlzeiten am Tag einzunehmen. Ich werde darauf achten, ihr keine stark gewürzten und in Fett gebratenen Speisen zu geben, weil das bei Kindern zu Magen- und Verdauungsbeschwerden führen kann. So kam jener Freitag, an dem wir zum Essen eingeladen waren. Als ob einer von uns beiden an Essen hätte denken können! ”Und, ist sie da?” fragte Oktay nach der Arbeit, noch bevor er richtig zur Tür herein war. Leider mußte ich ihn enttäuschen. Wir beschlossen, am Abend bei den Hüsnüs vor versammelter Familie alles zu erzählen und ihren Rat einzuholen, bevor wir zur Polizei gehen würden. Was für eine Situation! Wir saßen im Dunkeln und grübelten. Plötzlich hörten wir, wie sich ein Schlüssel im Schloß drehte. Die Wohnungstür ging auf. Mit dem Schlüssel in der Hand und einem Lächeln auf dem Gesicht trat meine Schwiegermutter ein. Als ich bald darauf meine Arbeit wieder aufnahm, hatte ich es dank meiner Schwiegermutter leicht. Die Arztpraxis, wo ich arbeite, liegt in unserer Nähe. Mittags kam ich nach Hause und stillte. Durch geplantes Abstillen bekam Canan weiterhin Muttermilch, und ich konnte trotzdem berufstätig sein. Auch konnten Oktay und ich in der Zeit, als meine Schwiegermutter bei uns war, hin und wieder zusammen ins Kino, Theater oder Konzert gehen und uns mit Freunden treffen. Solche kleinen Vergnügungen hatten wir uns zuvor versagen müssen. Ein Kind zu haben bedeutet ja nicht, auf alles zu verzichten. Nach drei Monaten kehrte meine Schwiegermutter in die Türkei zurück. Kurz darauf schickte sie uns den folgenden Brief: |
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