Gewalt in der Schule: Von Schlägern und Prügelknaben
Tips für den Elternabend
Taschengeld
Ihr Kind wird immer selbständiger
Kann man Siebenjährige abends alleine lassen?
Und wie ist das mit dem Ordnunghalten?
Schule: Wenn das Kind den Anforderungen nicht gewachsen ist
Förderausschuß: Welche Hilfen braucht das Kind
Wann ist ein Schulwechsel sinnvoll
Sebastian und Lukas sind Freunde. Zusammen mit 29 anderen gehen sie in die zweite Klasse. Vor kurzem ist noch Raiko dazugekommen. "Raiko ist blöd", finden Sebastian, Lukas und ein paar andere. Er hat weder Game-Boy noch Baseballkappe, seine Sachen sind "so oll". Sebastian und Lukas haben sich Raiko gegriffen, ihn festgehalten und abwechselnd zugetreten: ins Gesicht, in den Bauch, überallhin. Sie hören nicht auf, auch als er schon blutend am Boden liegt.
Körperliche Gewalt geht viel häufiger von Jungen aus. Sie stehen auch heute noch unter dem Druck, die Größten und Stärksten, eben männlich zu sein. Von Mädchen wird eher erwartet, dass sie klein beigeben und "lieb" sind. Aber mit Wut, Enttäuschung und Neid müssen sich Mädchen genauso herumschlagen. Sie schlucken oft herunter, was sie bedrückt. Oder ihre Wut äußert sich in eher versteckter Gemeinheit.
Katharina und Lena sitzen nebeneinander. Jeden Morgen vor dem Klingeln nimmt Katharina Lena den Radiergummi weg. Tag für Tag steht Lena ohne Radiergummi da. Wenn die Lehrerin nachfragt, sagt sie kein Wort. Für einen Euro ist Katharina bereit, nach der letzten Stunde den Radiergummi wieder herauszurücken. Bis zum nächsten Morgen.
Was ist bloß mit den Kindern los? Alle drei haben vermutlich bestimmte Erfahrungen nicht machen dürfen, die jeder Mensch zum Gedeihen braucht: etwas zu können und etwas wert zu sein.
Sebastian zum Beispiel wird sehr streng erzogen. Bei schlechten Leistungen gibt es Ärger, auch handgreiflichen. Seit der Vater seine Arbeit verloren hat, ist er noch strenger geworden. "Dir soll es mal nicht so gehen wie mir", sagt er. Seine Lektion hat Sebastian gelernt: Dass er schlecht ist, weil er schlecht rechnet. Dabei brauchte er doch die Gewissheit, dass seine Eltern ihn so mögen, wie er ist - auch wenn er nicht so gut rechnen kann.
Oder Lukas: Er hat alles - so scheint es -, darf alles, vor allem fernsehen, so viel er will. Nachmittags guckt er allein und abends noch ein Stündchen mit den Eltern. Wenn er zwölf Jahre alt ist, wird er 14.000 Morde gesehen haben.
Wo hat Lukas Gelegenheit zu erfahren, dass Handlungen Folgen haben? Wen kümmert, was er macht? Und Katharina? Früher wollte sie mal Lenas Freundin sein. Aber die hing immer mit Nükhet zusammen, und beide haben Katharina ausgelacht, weil sie lispelt. Schwer zu sagen, was hier zwischen den drei Mädchen geschehen ist. Aber wieso glaubt Katharina, dass man Zuneigung erzwingen kann?
So schwer es manchmal auch fällt, es so zu sehen: Gewalt ist immer auch ein Alarmsignal, ein Schrei nach Zuwendung. Wer zuschlägt oder unter Druck setzt, will beachtet werden. Dahinter steckt oft die verzweifelte Suche nach einem festen Halt und zuverlässigen Grenzen.
Raikos Mutter hätte sich die beiden Schläger allerdings am liebsten erst mal richtig vorgeknöpft. Ihre Eltern angerufen, Anzeige erstattet, in der Schule Alarm geschlagen. Doch zuerst braucht ihr Sohn jetzt Trost und Verständnis. Sie atmet tief durch und nimmt ihren Jungen in den Arm. Raiko erlebt, dass er Schwäche und Angst auch zeigen darf. Seinem stark angeknacksten Selbstbewusstsein hilft das schon ein bisschen auf die Beine. Mehr jedenfalls als der gut gemeinte Rat: "Wehr dich doch! Hau doch wieder!" Da kriegt man höchstens das Gefühl, dass man so, wie man ist, seinen Eltern nicht recht ist. Und das demütigt ein zweites Mal.
Raikos Mutter hat noch mehr getan. Sie hat mit der Klassenlehrerin geredet, und die bringt die Kinder jetzt an einen Tisch. Sie verurteilt nicht, sondern fragt nach. Das hilft allen Beteiligten. Raiko erzählt, wie schrecklich ihm zumute war, als er so angegriffen wurde. Das müssen sich Sebastian und Lukas anhören. Auch Sebastian kann sagen, warum er Raiko nicht mag. "Was wolltest du damit erreichen?" ist eine Frage, die dem Schläger ein Licht aufstecken kann.
Auch bei Lena und Katharina muss eine solche Vermittlung geschehen. Kinder müssen erleben, dass ihre Taten nicht hingenommen werden, sondern Folgen haben. Klar muss die Botschaft sein, wenn sie ankommen soll: Verletzen oder Schikanieren wird an unserer Schule nicht geduldet.
Wenn eine dritte Person in so einem Gespräch vermittelt, ohne Partei zu ergreifen, baut das eine Brücke zum gegenseitigen Verstehen. In einem verständnisvollen Klima kann überlegt werden: "Wie kann das Geschehene wieder gutgemacht werden?" Wenn man kleine Täter dafür gewinnen kann, sich zu entschuldigen oder eine Wiedergutmachung zu leisten, appelliert man an ihren "guten Kern".
Gibt es auch in der Klasse Ihres Kindes eines, das immer gleich draufhaut? Werden jüngere Schüler von älteren schikaniert? Dann sollten Sie das zum Thema der nächsten Elternversammlung machen. Einfach ist das nicht: denn schnell werden Eltern aufgespalten in diejenigen, deren Kind "so etwas nicht tut", und die anderen, die vermeintlich in der Erziehung versagt haben. Das bringt aber keinen weiter! Konflikte sollten nach vorne gerichtet angegangen werden:
Was soll in der Klasse, in der Schule anders werden?
o Könnte die Lehrerin die Kinder anregen, in kleinen Gruppen Regeln fürs Streiten aufzustellen? Wie wäre es, wenn der kleine Rowdy eine besondere Aufgabe und Verantwortung in der Klasse übertragen bekäme?
o Gut bewährt haben sich Klassenpatenschaften: Wenn ältere Schüler Ansprechpartner für die Kleineren sind, können sie erfahren, dass die Beschützerrolle doch schöner ist als die der Angstmacher.
o Gibt es an Ihrer Schule Schülerarbeitsgemeinschaften? Machen Sie sich stark dafür. In Selbstbehauptungs-AGs beispielsweise können Kinder Körpergefühl und Selbstbewusstsein entwickeln - das tut nicht nur den Schüchternen gut!
Wenn es Ihr Kind ist, das öfter andere haut ...
... dann werden Sie sich bei solchen Diskussionen unwohl fühlen. Auch wenn der Name Ihres Kindes nicht genannt wird, weiß doch jeder, wer gemeint ist. Verkriechen Sie sich nicht. "Ich weiß, dass mein Kind schnell zuhaut, und ich hoffe, dass sich das ändert. Deshalb bin ich hier", hilft Ihnen aus der "Sünderecke". Es geht schließlich darum, gemeinsam zu überlegen, wie die Rolle Ihres Kindes in der Klasse verändert werden kann.
o Auch wenn es keine besonderen "Vorkommnisse" in der Klasse Ihres Kindes gibt, sollten Sie auf jeder Elternversammlung nach dem Klima in der Klasse fragen. Denn das ist genauso wichtig wie lesen, schreiben und rechnen lernen.
Erinnern Sie sich noch? Wir haben im Brief 36 schon einmal über Taschengeld gesprochen. Aber inzwischen ist Ihr Kind zwei Jahre älter.
Einiges gilt heute noch genauso: Taschengeld ist Geld für die Tasche - zur freien Verfügung für kleine Wünsche. Ihr Kind darf es verkleckern oder auch für Dinge ausgeben, die Ihnen gegen den Strich gehen. Sie dürfen es zwar beraten, aber Vorschriften machen sollten Sie ihm nicht. Wenn Ihnen die Summen, die es verplempert, wehtun, wenn seine Neigung, alles in Süßigkeiten anzulegen, seine Ernährung und die Gesundheit seiner Zähne ernsthaft gefährdet, dann hat es zu viel Taschengeld - also: lieber knapp halten, höchstens einen Euro pro Woche in der ersten Klasse, zwei Euro in der zweiten, drei in der dritten. "Die anderen kriegen aber mehr!" Ein bisschen werden Sie sich schon an den Summen orientieren, die andere Kinder bekommen. Aber jede Unvernunft müssen Sie nicht mitmachen.
Unterlaufen die Großeltern Ihre Bemühungen durch großzügige Geldgeschenke? Vielleicht können die Beträge, die sie den Kindern schenken möchten, in eine Extraspardose kommen und für größere Anschaffungen verwendet werden.
Wenn Sie möchten, dass Ihr Kind vernünftige Maßstäbe fürs Geldausgeben lernt, lassen Sie es auch teilnehmen an Ihren Bemühungen, das Geld einzuteilen. Das beginnt beim Einkaufen. Was kosten die Gummibärchen, was die Wurst, was kostet ein Paar Schuhe? Dann sind da noch Ausgaben, deren Gegenwert man nicht so handgreiflich sieht: Was kostet die Miete, der Strom, die Krankenversicherung? Wenn Sie sehr knapp kalkulieren müssen, weil Sie arbeitslos sind oder einen Kredit abzuzahlen haben, erklären Sie auch das. Ihr Kind sollte nicht den Eindruck haben, Geldmangel sei etwas, worüber man nicht sprechen kann, wofür man sich schämen muss.
Ob Kinder einen besseren Bezug zum Geld bekommen, wenn sie sich selbst welches verdienen? Es spricht nichts dagegen, wenn Ihr Kind mal abgelegtes Spielzeug vor dem Supermarkt verkauft oder später mal für ein kleines Entgelt Nachbars Rasen mäht. Aber wenn es den Mülleimer runterträgt, ist das kein Grund, es zu bezahlen. In einem gemeinsamen Haushalt hat jeder Pflichten - ohne Bezahlung.
Und Geld für gute Zensuren?
Valerie schüttelt die guten Noten nur so aus dem Ärmel. Für jede Eins kriegt sie einen Euro. Vor jeder Arbeit überlegt sie schon, was sie damit machen will. Kriegt sie mal eine schlechte Zensur, ist sie sauer. Nicht wegen der Fehler, die sie gemacht hat, sondern wegen dem Euro! Ihr Bruder Malte muss sich mit der Rechtschreibung sehr mühen. Aber er übt fleißig. Neulich hat er im Diktat eine Vier geschafft - zum ersten Mal. Aber dafür gibt es nichts. Eigentlich sollte die Freude über den Erfolg Belohnung genug sein, finden Sie nicht auch?
Mit sieben Jahren kann man schon eine Menge: Brötchen, Zeitung oder Milch holen, den Weg zum Spielfreund allein gehen, wenn der Straßenverkehr nicht zu gefährlich ist. Einige fahren auch schon allein mit Bus oder Straßenbahn. Aber das will geübt sein. Boris will zum ersten Mal allein zum Judotraining fahren. Klar weiß er, wo er aussteigen muss! Ganz so klar wohl doch nicht. Als die Häuser im Vorbeifahren immer fremder aussehen, überwindet er seine Scheu und fragt den Busfahrer. Der schlägt vor: "Fahr mit bis zur Endhaltestelle, auf dem Rückweg sage ich dir, wo du aussteigen musst." Dann muss Boris noch dem Trainer erklären, warum er zu spät kommt und schließlich mit dem Bus wieder heimfahren. Ziemlich geschafft ist er ja, aber stolz wie Oskar!Die ersten Male werden Sie Ihr Kind bei seinen Fahrten noch begleiten. Üben Sie dann auch das Verhalten beim Ein- und Aussteigen. Wenn der Bus oder die Straßenbahn gerade kommt - Vorsicht vor Autos und Radfahrern! Und nicht zu dicht an die Bordsteinkante.Mit einer U-Bahn ist es zu Anfang noch schwieriger. Das Kind kann nicht verfolgen, wohin die Bahn fährt, leicht taucht es in einer völlig falschen Gegend auf. Und kein Busfahrer, den man fragen könnte.Trauen Sie Ihrem Kind zu, auch damit zurechtzukommen? Besprechen Sie auch mit ihm, was es tun kann, wenn es sich verfahren hat. Geben Sie ihm ein paar Groschen oder eine Karte zum Telefonieren mit. Hat es Ihre Nummer im Kopf?Sie beobachten, was Ihr Kind bewältigen kann. Die Kunst besteht darin, ihm nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig zuzutrauen.
Das Fahrrad ist in diesem Alter nur als Spielzeug auf verkehrsfreien Flächen zu gebrauchen. Dem Straßenverkehr ist ein Siebenjähriges ohne Begleitung von Erwachsenen noch nicht gewachsen. Erst sollte es die Radfahrausbildung in der Schule mitmachen und auch danach lieber noch eine Weile auf dem Gehweg fahren. Immer mit Helm!
Kann man Siebenjährige abends allein lassen?Lieber nicht. Von der Selbstständigkeit des Tages ist oft nicht viel übrig, wenn ein Kind allein im Dunkeln aufwacht. Da sollte wenigstens eine Nachbarin informiert sein, bei der es klingeln oder klopfen kann. Sonst ist ein Babysitter doch sicherer. Oder klappt es problemlos mit dem Telefonieren? Kann jemand in wenigen Minuten da sein?
Das alles setzt voraus, dass Ihr Kind informiert ist und weiß, was es tun kann. Gehen Sie bitte niemals heimlich weg! Probieren Sie das Alleinbleiben über Tag - erst kurz, dann langsam etwas länger. Ist Ihr Kind einverstanden? Beprechen Sie, dass es niemanden hereinlassen, auch am Telefon nicht sagen soll, dass es allein ist. Und kommen Sie pünktlich zurück! Wirkt Ihr Kind fröhlich oder gleichmütig, wenn Sie wiederkommen? Oder ist es doch sehr erleichtert, Sie wiederzusehen? So verständlich Ihr Wunsch ist, abends wieder leichter ausgehen zu können, lassen Sie sich zu Hause lieber vorläufig noch vertreten.
Anorak unter der Heizung, Schulsachen zwischen Puppenkram auf dem Fußboden, Bananenschalen unter dem Bett - kennen Sie das? Sind Sie auch schon mit nackten Füßen auf Legosteine getreten, wenn Sie versuchten, im Dunkeln das Kinderzimmerfenster aufzumachen? Bei Nina zu Hause gab es ständig Streit ums Aufräumen. Das nervte Eltern und Kinder. Nach einer großen Aussprache hängt jetzt ein Zettel mit folgenden Beschlüssen am Küchenschrank:
o Nina und Jakob verteilen ihre Siebensachen nicht mehr in der ganzen Wohnung.
o Vati und Mutti meckern nicht mehr über die Unordnung im Kinderzimmer.
o Jeden Freitag wird der Fußboden leer geräumt zum Saubermachen.
o Gesammelte Sachen (Bilder, Steine, Kastanien usw.) dürfen nicht ohne Erlaubnis weggeschmissen werden.
Ob Sie etwas Ähnliches probieren? Was sind bei Ihnen die Steine des Anstoßes?
Wenn das Kind den Anforderungen der Schule nicht gewachsen ist ...Förderausschuß: Welche Hilfen braucht das Kind
Die Mutter von Beate hat ganz andere Sorgen als das leidige Thema "Ordnunghalten": Beate hat keine Lust mehr, zur Schule zu gehen. Jeden Morgen kostet es tausend Überredungskünste, bis sie sich endlich auf den Weg macht. Beate hat Probleme mit dem Lernen. Sie braucht viele Erklärungen, bis sie einen Zusammenhang verstanden hat, oft kann sie dem Unterricht gar nicht folgen. Beate traut sich immer weniger zu, zieht sich zurück und glaubt manchmal, dass es gar keinen Sinn hat, sich anzustrengen.
In Gesprächen mit der Klassenlehrerin wird klar, dass Beate ohne zusätzliche Förderung den Anforderungen der Grundschule nicht genügen kann. Um feststellen zu können, welche Hilfen für Beate sinnvoll sind und ob sie weiterhin die Grundschule oder eine Sonderschule (mancherorts auch Förderschule genannt) besuchen soll, wird ein so genannter Förderausschuss einberufen. In diesem Ausschuss sind alle an der Erziehung des Kindes Beteiligten vertreten: Eltern, Schulleiter, Lehrer, Schulpsychologe, Schularzt, manchmal auch ein Therapeut. Der Ausschuss berät über den weiteren Bildungsweg des Kindes und erarbeitet eine Empfehlung.
Beate wird in ihrer Schule bleiben. Mehrmals wöchentlich erhält sie zusätzlich oder parallel zum Unterricht spezielle Förderung durch einen Sonderschullehrer (Ambulanzlehrer). Er verwendet Arbeitsmaterialien, die ihr das Lernen erleichtern und ihre Konzentrationsfähigkeit steigern. Außerdem wird beim Schulpsychologischen Dienst eine Spieltherapie beantragt, die ihr helfen soll, wieder selbstbewusster und stabiler zu werden.
Förderausschüsse wie bei Beate gibt es leider noch nicht überall. In einigen Bundesländern wird die Entscheidung ohne Einbeziehung der Beteiligten allein durch ein sonderpädagogisches Gutachten getroffen. Ob ein Kind an der Grundschule bleiben kann oder die Sonderschule besuchen wird, hängt neben der Behinderung des Kindes auch davon ab, welche zusätzliche sonderpädagogische oder therapeutische Förderung innerhalb der Grundschule möglich ist. Manchmal reicht es aus, wenn das Kind im Unterricht (bei Bedarf auch zu Hause) durch einen Schulhelfer Unterstützung bekommt. An einigen (wenigen) Grundschulen können Kinder mit Lernschwierigkeiten in sonderpädagogischen Kleinklassen unterrichtet werden. Auch wenn nach Möglichkeit eine gemeinsame Erziehung aller Kinder - mit und ohne Behinderung oder Schwächen - an einer allgemeinen Schule angestrebt werden sollte, gilt im Einzelfall: Wichtiger als die Schulart sind eine gute Förderung und das Wohlbefinden des Kindes. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, ob es sich in seiner jetzigen Klasse wohl fühlt. Wenn an Ihrer Schule keine ausreichenden sonderpädagogischen Maßnahmen möglich sind, wenn die Klassen sehr groß sind, wenn der Leistungs- und Zensurendruck stark ist, dann ist ein Kind wie Beate an einer solchen Schule sicher nicht gut aufgehoben. Es wird sich an einer Sonderschule mit kleineren Lerngruppen und mehr Zeit für den Lernstoff wahrscheinlich wohler fühlen. Sehen Sie sich die für Ihr Kind in Frage kommende Sonderschule einmal an, sprechen Sie mit der Schulleitung und den Lehrern, dann fällt Ihnen die Entscheidung leichter.
In jedem Fall bedeutet ein Schulwechsel eine Umstellung. Es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem Kind darüber reden, warum es nun in eine andere Schule geht und was diese Umschulung mit sich bringen wird. Es muss sich in eine neue Klassengemeinschaft einleben. Vielleicht muss es sich auch mit den Vorurteilen seiner Umwelt ("Hilfsschüler") auseinander setzen, wozu es Ihren Rückhalt und Optimismus braucht.
Aber es ist entmutigend für ein Kind, immer nur als Schlusslicht in der Klasse dazustehen. Die neue Schulsituation, in der das Kind eine kleine Klasse und Unterrichtsmethoden vorfindet, die auf seine Fähigkeiten zugeschnitten sind, ist auch eine Chance, wieder Interesse und Freude am Lernen zu entwickeln. Nach einer Weile erlebt das Kind wieder, dass es die Erwartungen der Lehrer erfüllen kann und von seinen Mitschülerinnen und Mitschülern anerkannt wird.
Was Ihr Kind beim Wechsel in die Sonderschule braucht, ist die Sicherheit, von Ihnen geliebt und anerkannt zu werden. Schlimm wird die Situation erst, wenn Sie Ihrem Kind deshalb böse sind, sich schämen oder vor Nachbarn und Freunden Versteck spielen.
Sicher, die schulischen Leistungen sind wichtig für die weitere Entwicklung eines Kindes; sie sagen aber noch nichts über seine Fähigkeit zu leben aus. Sein Erfolg hängt von vielen zusätz-lichen Gegebenheiten ab, auch von Ausdauer und Zielstrebigkeit, von Selbstbewusstsein und Verträglichkeit.
Und schließlich muss der Wechsel in die Sonderschule nicht endgültig sein. Die Sonderschule hat die Aufgabe, die Kinder so zu fördern, dass sie wieder auf die Regelschule zurückkönnen. Aber auch auf der Sonderschule kann ein Kind einen Schulabschluss erreichen, der dem Hauptschulabschluss vergleichbar ist. Er berechtigt zur Lehre.
In den meisten Bundesländern gibt es für Sonderschüler auch die Möglichkeit, einen "richtigen" Hauptschulabschluss zu machen.
Der "Bundesverband Lernen - Fördern" (Rolandstr. 61, 50677 Köln, Tel. 0221/38 06 66, www.lernen-foerdern.de) hat eine Übersicht über die Bedingungen in den einzelnen Bundesländern zusammengestellt.
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