Was das Baby schon kann
Von Anfang an aktiv
Von der Hand in den Mund
Schnuller oder Daumen?
Nuckeln beruhigt
Verwöhnen
Mit dem Baby unterwegs
Frühgeborene
Wenn Ihr Kind zu früh geboren wurde
Mutter-Sein/Vater-Sein
Wie kommen Sie jetzt mit Ihrem Alltag zurecht?
Mutter sein
Vater sein
Von Anfang an aktiv
Sie kennen sie sicher, die Rede vom "dummen" ersten Vierteljahr im Leben unserer Kinder.
Selber dumm, kann man da nur erwidern, so viel aufregende Entwicklung zu übersehen:
Mit allen Sinnen versucht Ihr Baby, seine Welt zu erfassen, will sie sehen, hören, schmecken, riechen, fühlen. Und es nimmt all das Neue nicht nur begierig in sich auf, es antwortet auch schon. Es lächelt, wenn es Sie sieht. Es gluckst und gurrt und strampelt, es sucht Kontakt. Kein Gesicht begrüßt es so aufgeregt wie das seiner Mutter. Auch den Vater erkennt das Baby jetzt wieder. Es unterscheidet in "fremd" und "vertraut".
Wohlige Freude, wenn Sie sich ihm zuwenden, wenn Sie es anlächeln, mit ihm sprechen. Da lächelt es auch, ahmt Ihren Gesichtsausdruck nach, "unterhält" sich mit Ihnen – bis es nicht mehr kann. Einige intensive Minuten kann diese Zwiesprache schon dauern: auf dem Wickeltisch, im Bett, überall.
Jede Bewegung nimmt das Baby jetzt auf: die sanft hin und her schaukelnden Blätter eines Baumes, das tanzende Mobile ... es folgt mit den Augen, strampelt, wartet ab, was geschieht.
Wenn die Bewegung plötzlich anhält, wirkt das Baby erstaunt, überrascht.
So wird die Welt allmählich gegliedert: in Bewegtes und Unbewegtes, in Menschen und Dinge. Alles ist aufregend und neu. Auf dem Gesicht des Babys spiegeln sich seine lebhaften Gefühle. Haben Sie den richtigen Moment gewählt – Ihr Kind ist wohlig satt, entspannt und zugleich hellwach –, dann gelingt es vielleicht, seine Aufmerksamkeit schon ein wenig länger festzuhalten. Wieder und wieder verfolgt es gespannt die Schwingung der Rassel in Ihrer Hand, fasziniert von dem Hin und Her der Farben und Geräusche.
Aber dann auf einmal ist seine Aufmerksamkeit offenbar erschöpft, es wendet sich ab, braucht erst mal "Zeit zum Auftanken". In solchen Augenblicken tun wir meist unbewusst das Richtige, halten an in unserem Spiel, nehmen uns zurück – und geben so dem Kind Gelegenheit, sein inneres Gleichgewicht wiederzufinden.
Das Blickfeld Ihres Babys hat sich schon beträchtlich ausgeweitet. Wunderlicher Moment, wenn es erstmals seine eigenen Hände anschaut. So, als gehörten sie nicht zu ihm. Plötzlich finden sie sich im Mund wieder. Das Baby saugt daran, lutscht. Sichtlich genießt es zu saugen, wie an der Brust, an der Flasche, doch irgendetwas ist anders. Dieses Kribbeln auf der Haut, die kleinen Wärmeströme. Ob die Rassel auch so schmeckt?
Mit dem Mund erfährt ein Baby Wesentliches über die Welt. Mit dem Saugen befriedigt es nicht nur seinen körperlichen Hunger, sondern es "kostet" die Welt, nimmt sie in sich auf.
Bald wird das Greifen dazukommen. Ein erster Schritt: wenn die Babyhand sich beim Stillen an die Mutterbrust legt. Wenn sie (zufällig) einen Zipfel der Bluse erfasst, eine Windel oder ein Schmusetuch.
Für Babys ist Saugen das Größte. Ein Baby, das am Daumen nuckelt, weil es übermüdet oder gelangweilt ist, zeigt: Ich weiß mir zu helfen! Freuen Sie sich, wenn Ihrem Kind eine solche "Selbsttröstung" gelingt. Und: Helfen Sie ruhig, wenn es nicht recht klappt, vor allem bei einem Baby, das unruhig ist und an Blähungen leidet. Der Schnuller ist sicher nur die zweitbeste Lösung. Erstens geht er leicht verloren, zweitens bleibt das Kind hierbei vorläufig auf Ihre Hilfe angewiesen. Über seinen Daumen kann es (auch später) allein verfügen, kann selbst entscheiden, wann es ihn braucht – und wird ihn herausnehmen, wenn es etwas Interessantes tun will. Wenn Ihr Kind freilich seine Finger noch nicht finden und halten kann, ist ein Nuckel eine große Hilfe. Wundern Sie sich nicht, wenn es ihn zunächst wieder ausspuckt. Zu Anfang werden Sie wahrscheinlich öfter nachhelfen müssen, bis Ihr Kind den Schnuller "angenommen" hat. Vielleicht haben Sie Sorgen wegen möglicher Kieferverformungen – aber selbst Zahnärzte sehen das nicht mehr so dramatisch. Wichtiger ist: Das Nuckeln ermöglicht dem Baby, sich selbst zu trösten. Ein Stück Selbstständigkeit!
Erstmals sind die frisch gebackenen Großeltern zu Besuch. Alle sitzen um den Kaffeetisch. Als von nebenan ein leichtes Weinen zu hören ist, springt Peter auf, um nach dem Rechten zu sehen. Nach einiger Zeit kommt er mit seiner zufriedenen Tochter Julia auf dem Arm zurück. "Warum bist du überhaupt hingegangen?" meint die Oma. Und der Opa ergänzt: "Ihr erzieht euch ja einen kleinen Tyrannen." Abends unterhalten sich Marion und Peter. Für Marion steht fest: Sie will ihre Tochter nicht "abhärten", nichts von ihr fordern, was diese noch nicht kann. "Mit sechs Wochen versteht ein Baby nicht, warum es nicht bekommen soll, was es will und braucht: Milch, Wärme, Gehalten-Werden." Peter stimmt zu. Und doch hat er Zweifel. Er hat Angst, den rechten Augenblick für ein "Nein" zu verpassen. Marion: "Im ersten halben Jahr kann man ein Kind überhaupt nicht verwöhnen, man kann es nur gründlich enttäuschen."
Es ist nicht leicht, sich vorzustellen, was in einem sechs oder acht Wochen alten Baby vorgeht, wenn es schreit. Eins ist sicher: Wenn Sie es warten lassen, wird es schon nach kurzer Zeit Ihr Kommen nicht mehr mit seinem Rufen in Verbindung bringen. Mit der Zeit lernt es dann: Schreien ist sinnlos, es kommt doch niemand. Vielleicht übt es sich auch im Dauerschreien. Geduld lernt ein Baby auf diese Weise nicht!
Wenn Sie auf das Weinen Ihres Babys gleich reagieren, helfen Sie ihm, Vertrauen zu entwickeln in die Welt – und mehr und mehr auch in sich selbst. Es spürt: Ich kann mir Hilfe holen. Wenn es sicher sein kann, dass Sie kommen, kann es auch auf Sie warten.
Bleiben Sie gelassen: Sie müssen Ihr weinendes Kind nicht mit der ganzen Breitseite Ihrer mütterlichen oder väterlichen Gefühle überschütten. Babys wollen gar nicht ständig gestillt, gewickelt, geschaukelt oder rumgetragen werden. Vielleicht reicht es schon, wenn Sie sich neben das Bett setzen oder ihm übers Köpfchen streichen. Soweit hat – in unserem Beispiel – sicher Marion Recht. Was aber ist mit Peters Befürchtungen? Denn es gibt sie doch, diese kleinen Hausdrachen, die Mama nicht fünf Minuten in Ruhe lassen, denen man bis ins Schulalter die Schuhe zubinden und alles hinterherräumen muss. Wo fängt Verwöhnen an? Ein Kind, das bekommt, was es braucht, wird nicht verwöhnt. "Verwöhnt" nennen wir Kinder, die bekommen, was sie nicht brauchen, und mehr, als für sie gut ist. Kinder, die gewöhnt sind, dass immer jemand um sie herum ist und an ihrer Stelle tut, was sie längst allein tun könnten. Schon Babys wollen selbstständig werden. Sie wachsen nicht nur am Behütet-Sein. Wer seinem Kind zu wenig zutraut und zu wenig von ihm erwartet, verwöhnt es und hält es in Abhängigkeit. Die Frage ist also nicht, ob Julias Eltern einmal zu viel gerannt sind. Entscheidend ist vielmehr: Warum, aus welcher Haltung heraus, tun wir Eltern irgendetwas? Vertrauen wir in die Kräfte unseres Kindes, wollen wir ihm Halt geben bei seinem Bemühen, eigene Schritte zu tun?
In Uwes Bekanntenkreis wundert man sich. Alle kennen ihn als ruhigen, zufriedenen Menschen. Und jetzt, seit er Vater ist, flucht er mitunter laut vor sich hin. Er schimpft auf Architekten und Stadtplaner, auf Geschäftsleute, rücksichtslose Passanten und Autofahrer – obwohl er selbst einer ist. Einen Kinderwagen vor sich herschiebend, sieht er die Welt mit anderen Augen. Da sind Gehwege schmal und zugeparkt. Da sind Bordsteinkanten so hoch, dass der Kinderwagen beinahe kippt. Und dann: von wegen "frische" Luft! Am höchsten, weiß Uwe inzwischen, ist die Schadstoffkonzentration in Höhe des Kinderwagens, na fein! Mit über die Schulter gelegtem Baby, eine Hand schiebt den Wagen, kämpft Uwe sich tapfer durch den Autoverkehr. Ab in den Park, nahe gelegen, wie ihm einst schien. Der Busfahrer mahnt zur Eile, keine Hand hilft. Uwe lässt den Bus sausen, nimmt Melanie aus dem Wagen und setzt sich mit ihr ins Wartehäuschen. Ach, er hatte es sich immer so schön vorgestellt: mit seinem Kind in der Frühlingssonne zu sitzen und den Vögeln zu lauschen. Und jetzt? Allmählich, während sein Blick auf der kleinen Tochter ruht, die zum Glück ihren Daumen gefunden hat und zufrieden schmatzt, sind Verkehr, Lärm und Stress vergessen. Hoffentlich nimmt ihn der nächste Bus mit ... Überall fehlt etwas, stößt frisch gebackenen Eltern ein Mangel auf (oder ein Zuviel!). Immer mehr Mütter und Väter fordern Rücksichtnahme und mehr Rechte für ihre Kinder und sich. "Kann ich nicht erwarten", fragt Uwe, "dass man sich in der Öffentlichkeit auch auf Kinder einstellt – in Restaurants, in Läden, in Museen? Und wo ist die Zukunft für unsere Kinder, wenn man ihnen jetzt schon die Luft zum Atmen nimmt?"
Jan, der Sohn von Anna und Thomas, kam sechs Wochen zu früh zur Welt. "Wir hatten uns das alles so schön vorgestellt – ambulante Geburt, so sanft wie möglich –, und dann wurden wir viel zu früh völlig überrumpelt: Klinik, Intensivstation!", erinnert sich Anna. Jan war winzig klein, hatte Probleme mit der Atmung. Immer wieder kamen Zweifel und Ängste: Wird Jan es schaffen? Wird er gesund sein und sich normal entwickeln? Der erste Besuch auf der Intensivstation war für beide Eltern ein Schock: "Ich war völlig fassungslos", erinnert sich Thomas, "dies winzige, an Maschinen angeschlossene Etwas im Glaskasten sollte mein Sohn sein?" Und Anna ergänzt:
"Ich war wild entschlossen, alles Menschenmögliche für Jan zu tun, aber gleichzeitig wäre ich am liebsten weggerannt." Es ist ein schwerer Start für alle – fürs Baby und die Eltern. Dem Frühgeborenen fehlen noch wichtige Wochen der Reifung und Entwicklung, die es nun unter völlig anderen Bedingungen "draußen" nachholen muss. Der Brutkasten ist nur ein Versuch, die Bedingungen im Mutterleib nachzuahmen. Das Baby muss nun selbst atmen und Nahrung verdauen, ist nicht mehr im vertrauten Körper der Mutter geborgen, spürt nicht mehr ihren Herzschlag. Diese Umstellung kostet unendlich viel Kraft.
Auch den Eltern fehlen die letzten Wochen der Vorbereitung auf das Kind. Der Brutkasten und all die technischen Apparate machen es beson-ders schwer, miteinander vertraut zu werden. Anna und Thomas haben von Anfang an viel Zeit damit verbracht, ihren Sohn einfach nur sanft zu streicheln, zu berühren: "Irgendwie wurde er erst dadurch richtig unser Kind", erzählt Thomas. "Jan genoss es sehr, wenn man ihn aufnahm und leise mit ihm sprach. Er wurde dann ganz ruhig und lauschte. Man konnte förmlich sehen, wie ihn die Wärme unserer Berührung und unser Zuspruch mit Lebensenergie erfüllten."
Es dauert einige Zeit, bis Frühgeborene sich erholen, selbst wenn sie gute Fortschritte machen – und es gibt manchmal Rückschläge. Anna erinnert sich an ihre Enttäuschung, als Jan nicht saugen wollte. "Alles war prima gelaufen: Er hatte zugenommen, die Atmung war stabil. Als die Ernährung von der Sonde auf Stillen umgestellt werden sollte, saugte er immer nur kurz und fing an zu weinen. Ich wurde richtig wütend. Bis mir einfiel, dass es ja noch vor seinem errechneten Geburtstermin war. Eigentlich wäre er noch in meinem Bauch und müsste das nicht lernen."
Der Wechsel zum Leben "draußen" ist für Frühgeborene viel krasser als für andere Babys. Sie sind gegenüber äußeren Einflüssen wesentlich empfindlicher, sind schneller überfordert und reagieren häufiger unruhig oder gereizt. Anna erinnert sich: "Manchmal, wenn ich Jan streichelte, zuckte er plötzlich zusammen, fing an, mit den Armen zu rudern und zu wimmern." Was wie Ablehnung wirkt, sind Zeichen von Überforderung. Anna und Thomas haben mit der Zeit gelernt, Jan zu verstehen und ihm zu helfen. "Wenn Jan sich gar nicht mehr beruhigen konnte, half es, seine Händchen festzuhalten oder ihn in eine Decke zu wickeln. Wenn er gähnte, brauchte er eine Pause. Es war mühsam zu lernen, was er brauchte, damit er sich wohl fühlte. Aber je mehr wir uns von ihm leiten ließen, desto mehr Freude hatten wir mit ihm."
Wahrscheinlich haben Sie es nur mit etlichen Unterbrechungen geschafft, bis hierhin unseren ELTERNBRIEF zu lesen, weil Ihnen mal wieder "etwas" dazwischengekommen ist. Der Küchentisch zum Beispiel, auf dem noch immer das Frühstücksgeschirr steht ... Oder vielleicht hat Sie das plötzliche Verstummen der Waschmaschine daran erinnert, dass die Reihe jetzt wieder an Ihnen ist: Wäsche aufhängen, wegräumen ... Und das alles möglichst sofort und möglichst schnell, bevor Ihr aus seinem Schlaf aufwacht ... Eigentlich wollten Sie sich einen Kaffee machen. Während Sie am stehen, mit der linken Hand den Kaffee aufbrühen, mit der rechten das Fläschchen für’s Kind fertig machen, regt sich etwas nebenan. Sie lassen alles stehen und liegen und eilen zu Ihrem Kind.
Zwanzig Minuten später sind Sie vielleicht wirklich –zusammen mit Kind, lauwarmem Kaf-fee und unserem ELTERNBRIEF – auf dem Weg zum gemütlichen Sofa. Doch mit an Sicher-heit grenzender Wahrscheinlichkeit klingelt ausgerechnet in diesem Moment das Telefon - im Flur natürlich ...
"Am schönsten ist es, wenn Katrin mich morgens weckt," schwärmt Annette von ihrer einjährigen Tochter. "Wenn sie wach ist, zupft und patscht sie so lange an mir rum, bis ich die Augen aufmache. Für das Lächeln, das ich dann von ihr bekomme, könnte ich ihr alles verzeihen!" Birgit, ihren kleinen Sohn zärtlich an sich geschmiegt, seufzt:
"Meine Sternstunden sind im Moment die, in denen Dennis schläft." So glücklich sie auch ist mit ihrem Baby – mit einem hatte sie nicht gerechnet: rund um die Uhr in Bereitschaftsdienst zu sein. "Mutter sein", stöhnt sie, "ist der anstrengendste Beruf, den es gibt. Vor allem die ewige Aufräumerei. Kaum ist man fertig, steht wieder was rum. Kaum hat man eingekauft, fehlt wieder was. Kaum hat man gewaschen, wartet schon der neue Wäscheberg. Und dann kommt Frank nach Hause und kann nicht verstehen, warum ich fix und fertig bin."
"Irgendwann", erinnert sich Annette, "hab ich das nicht mehr ausgehalten. Diesen ständigen Druck, alles schaffen zu müssen und immer perfekt zu sein. Einmal, als ich noch am Nachmittag in meinem schlabberigen Bademantel herumlief, hab ich auf einen großen Zettel geschrieben: Die Hausarbeit läuft nicht weg! Muss das gemacht werden? Muss das jetzt sein? Muss ich das tun? Zu dem Zettel schiel’ ich manchmal hin, wenn ich mit Katrin auf der Decke balge und denke, ich müsste schon wieder ..."
Annettes Fragen gefielen uns so gut, dass wir sie Ihnen ans Herz legen möchten. Auch wenn Sie sich so fit fühlen, dass Sie bereits wieder im Haushalt herumwirbeln: Gönnen Sie sich Verschnaufpausen! Und damit meinen wir nicht nur, mal kurz – zwischen Abwasch und Wäscheaufhängen – auf dem harten Küchenstuhl zu sitzen, sondern sich wirklich Zeit für sich selbst zu nehmen. Sie sind nämlich wichtiger als der Abwasch! Und noch etwas: Lassen Sie sich ruhig auch mal verwöhnen und umsorgen – gerade jetzt, wo Sie Mutter geworden sind. Zum Beispiel von Ihrem Mann! Sagen Sie deutlich, was Sie brauchen und was Ihnen gut tut, auch wenn es Ihnen lieber wäre, er käme von selbst auf die Idee: z.B. Sie mal ausschlafen zu lassen und Ihnen das Frühstück ans Bett zu bringen! Warten Sie nicht darauf, dass er Ihnen Ihren Wunsch von den Augen abliest, sagen Sie es ihm!
Wenn niemand da ist, der Sie umsorgt: Tun Sie sich selbst was Gutes! Belohnen Sie sich mit einem heißen Bad, einer Tasse Schokolade oder was sonst immer Ihnen gute Laune macht. Auch sanfte Entspannungsübungen sind geeignet, jungen Müttern den Rücken zu stärken. Anleitungen gibt’s auf Kassette. Wenn’s Ihnen in einer Gruppe mehr Spaß macht: Vielleicht passt eine Freundin auf Ihr Baby auf – oder Sie nehmen es einfach mit.
"Vater sein – das wollte ich jedenfalls ganz anders, als ich das bei meinem Vater erlebt hatte. Aber jetzt, seit Nico geboren ist, fühl’ ich mich zu Hause manchmal wie das fünfte Rad am Wagen. Und irgendwie hab’ ich auch das Gefühl, gerade jetzt muss ich mich ums Geldverdienen kümmern, für meine Familie sorgen."
"Ich hätte nie gedacht, dass Vater-Sein so schwierig sein kann. Mit dem Baby komm’ ich prima klar – aber mit seiner Mutter hab’ ich Kräche wie noch nie. In acht Jahren Beziehung ist unser Verhältnis nie so strapaziert worden. In meinem ganzen Leben war ich noch nie so fertig wie im letzten Jahr – und nie so glücklich."
Es ist heutzutage sehr unklar, wie ein Vater sein, was er tun und lassen soll. Das Spektrum reicht vom allein verdienenden Familienoberhaupt bis zum Hausmann. Die meisten bewegen sich wohl irgendwo dazwischen. Lassen Sie sich Zeit, gemeinsam mit Ihrer Frau Ihren eigenen Weg herauszufinden. Und fragen Sie sich nicht nur, was Sie sollen. Sprechen Sie gemeinsam darüber, was jeder von Ihnen will!
Das gilt auch für vermeintliche Kleinigkeiten, denn das Leben mit einem Neugeborenen besteht aus einem riesigen Berg solcher Kleinigkeiten. Sie werden bei der Versorgung Ihres Kindes und bei der gemeinsamen Bewältigung eines plötzlich sehr aufwendigen Haushalts merken, dass Sie viel von Ihrer Frau lernen können. Aber halten Sie sich nicht lange bei dem Gedanken auf: "Die weiß alles besser als ich!" Ihre Frau muss sich ebenso wie Sie in eine völlig neue Situation einleben. Sie kann sicherlich auch von Ihnen viel lernen. Sie werden Ihre ganz eigene Art entwickeln, mit Ihrem Kind und den veränderten Umständen umzugehen. Und achten Sie mal darauf: Ihr Kind hat ein besonderes Lächeln und ein besonderes Quieken, das nur Ihnen gilt!
Plötzlich als Paar für ein Neugeborenes verantwortlich zu sein, bedeutet eine große Veränderung und bringt lauter Widersprüche mit sich: Man hat kaum noch Zeit füreinander, aber man ist sehr aufeinander angewiesen. Man ist Familienvater und müsste sich richtig erwachsen fühlen – und oft fühlt man sich dem Ganzen überhaupt nicht gewachsen. Man muss jetzt für ein Kind sorgen und fühlt sich selbst manchmal bedürftig wie schon lange nicht mehr. Man liebt sein süßes Kind, und alles könnte so schön sein, stattdessen streitet man über Windeln und Wäscheberge.
Mag sein, dass Ihre Wohnung zur Zeit ziemlich chaotisch aussieht. Helfen Sie Ihrer Frau! Machen Sie sich gelassen ans Aufräumen und denken Sie daran, dass das Durcheinander in Ihrer Umgebung vielleicht ein bisschen mit dem inneren Durcheinander zu tun hat, das fast zwangsläufig für Sie und Ihre Frau durch die neue Situation entstanden ist.
Nehmen Sie sich Zeit dafür, Vater zu sein. Schon jetzt werden nämlich die Weichen gestellt, wie sich Ihr Familienleben und der Kontakt zu Ihrem Kind weiter entwickeln werden.
Auch wenn Ihre Frau Erziehungsurlaub genommen hat: Wenn es irgendwie geht, lassen Sie es im Beruf langsam angehen! Es ist wichtig, dass sich in der Arbeitswelt allmählich die Erkenntnis durchsetzt, dass auch Väter familiäre Pflichten und familiäre Wünsche haben. Überlegen Sie gemeinsam, welche Arbeitsteilung für Ihre Familie sinnvoll ist. Probieren Sie Verschiedenes aus. Ein Merkzettel, auf dem ganz verbindlich festgehalten wird, wer wofür zuständig ist, kann manche zermürbende Auseinandersetzung ersparen.
Vergessen Sie eins aber nicht bei Ihrem "gemeinsamen Organisationsplan": Zeit einzuplanen, die Ihnen beiden allein gehört. Zeit, in der Sie mal nicht "Mutter", nicht "Vater" sind. Zeit, gemeinsam aufzutanken für die nächsten Runden.
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