Die Bedeutung, die die Werte der Gründerinnen und Gründer des ANE für unsere Arbeit haben, beschreibt unsere Vorstandsvorsitzende, Dr. Heidemarie Arnhold, in ihrer Powerpoint-Präsentation "Erziehung zur Demokratie".
Wir möchten darüber mit vielen Eltern und mit unseren Partnern ins Gespräch kommen:
Warum eine Wertedebatte?
Inhaltlicher Schwerpunkt aller Veranstaltungen im Jubiläumsjahr ist die Werte-Debatte in ihren für unsere Zielgruppen unterschiedlichen Facetten. Im Zentrum stehen die Werte, die schon die GründerInnen des ANE als entscheidend für ein „partnerschaftliches Konzept des Zusammenlebens mit Kindern und Jugendlichen“ (Zitat Gründungsversammlung 1946) erachteten: die Achtung der Würde aller Menschen – unabhängig von ihrem Alter, ihrem Geschlecht und ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft, die Teilhabe aller an gesellschaftspolitischen Entwicklungsprozessen, die Aushandlung unterschiedlicher Interessenlagen und die Verantwortungsübernahme für sich selbst und für andere (Solidarität).
Diese Werte erhalten eine neue Bedeutung vor dem Hintergrund der Herausforderungen, die das 21. Jahrhundert an die Erziehungskompetenz von Eltern stellt, in dem die Kinder in einem Europa ohne Grenzen und (als Einheimische oder Zuwanderer) in multiethnischen Gesellschaften leben werden, in denen unterschiedliche Werte und Leitbilder aufeinander treffen und ausbalanciert werden müssen.
Eltern und Fachleute der Elternbildung – wie der ANE - müssen sich diesen neuen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen:
Der ANE hat sich in den letzten Jahren kritisch mit gängigen Elternbildungskonzepten auseinandergesetzt und ist dabei zu der Überzeugung gelangt, dass das alte „Expertentum“, mit dem Eltern gesagt wird, was „richtig“ und „falsch“ ist, nicht für die Erziehung von Kindern in einer Wissens- und Informationsgesellschaft taugt. Wir plädieren statt dessen für (reale und virtuelle) Netzwerke, in denen möglichst vielfältige Informationen und Erfahrungen ausgetauscht werden können und Eltern eine Grundlage dafür finden, Entscheidungen für die Zukunft ihrer Kinder zu treffen, sich an gesellschaftlichen Debatten zu beteiligen und Einfluss zu nehmen auf politische Gestaltungsprozesse. Die geplante Veranstaltungsreihe soll einen Impuls setzen für eine solche Neukonzeption der Elternbildungsarbeit.
Die aktuelle Brisanz, die in der Wertedebatte für Berliner Eltern steckt, wird in Berichten über die neuesten PISA-Ergebnisse zur Chancen(un)gleichheit im deutschen Bildungssystem und eine bisher nicht veröffentliche Studie deutlich, in der nachgewiesen wird, dass bereits 2020 die Hälfte aller Berliner Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund kommen wird. (Tagesspiegel vom 12.05.06, S.7). Dieses Phänomen gilt nicht nur für Berlin – es gilt für die „Banlieues“ Frankreichs ebenso wie für alle anderen europäischen Staaten. Eltern werden davor die Augen nicht verschließen können und müssen – gemeinsam mit den Bildungsinstitutionen und mit Blick auf eine friedliche Zukunft ihrer eigenen Kinder – alles dafür tun, dass jedes Kind in Europa die Chance erhält, „ein loyaler Citoyen oder eine loyale Citoyenne dieser Demokratie zu werden“ (Tagesspiegel vom 14.05.06, S.1). Der dafür notwendige Prozess erfordert interkulturelle Kompetenz. Orientierung geben die Werte demokratischer Erziehung.